Mühlenruine Mühlenruine Restaurierung Wiesenmühle heute

Geschichte der Wiesenmühle

In früheren Zeiten gab es entlang der Fulda zahlreiche Mühlen. Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts war die Wiesenmühle als Mahlmühle in Betrieb. Damit war sie die letzte erhaltende Mühle in der Nähe der Fuldaer Altstadt. Heute wird die Mühle als Kulturdenkmal von bedeutender geschichtlicher Herkunft eingestuft.

Ursprüngliche Bauherren: Das Benediktinerkloster

Errichtet wurde die Mühle vom Benediktinerkloster. Die zum Betrieb eingesetzten Beständter waren dem Konvent zu verschiedenen Abgaben und
Dienstleistungen verpflichtet.

Trennlinie

Erste urkundliche Erwähnung 1337

Die Wiesenmühle wurde das erste Mal 1337 in einer Urkunde des Fürstabts Heinrich VI. von Hohenberg erwähnt, in der es unter anderem heißt: „molendo situ Slagmule apud Wisemule propre monasterium fuldensis“.

Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Wiesenmühle von Lehensleuten bewirtschaftet und war im Besitz des Klosters Fulda.

Nach einer alten Güterbeschreibung des Jahres 1676 bestand die „weissmühl“ aus einem Wohnhaus mit Mahlwerk, vier unterschlächtigen Mahlgängen und einem Schneidegang, einer Schlag und einer Walkmühle, dazu Scheuer, Schweineställe und Stallungen. Außerdem besaß die Mühle ausgedehnte Wiesen in der Fuldaaue und 3 Krautbeete jenseits des Wassers.

In der Wiesenmühle wurde also nicht nur Getreide gemahlen, sondern auch Holz zugeschnitten, Öl gestampft, Tuch zu einer Art Lodenstoff weiterverarbeitet und Landwirtschaft betrieben. Durch das gesamte Gebäude, vom Erdgeschoss bis zum Dachboden, zogen sich Antriebsriemen und Zahnräder.

Schon damals hatten die Wiesenmühle und ihre Müller eine herausragende Bedeutung für das soziale und politische Leben in der Gesellschaft. Sie waren über Jahrhunderte mitverantwortlich für die Versorgung der Bevölkerung mit dem Hauptnahrungsmittel Brot.

Das Müllerhandwerk setzte eine grundlegende Selbständigkeit voraus, da die Müller rechnen mussten und meist schreiben konnten, und in Verwaltungs- und Geschäftsdingen bewandert waren. Sie mussten außerdem verschiedene Handwerksarbeiten ausüben können (Schmieden, Zimmern, Mühlsteine Schärfen), um die Mühle in Funkton zu halten.

Trennlinie

Wiesenmühle Namensgeber für fuldische Familiennamen

Fuldische Namen wie Wysmüller, Wiesenmüller oder Weißmüller weisen auf die Wiesenmühle hin. Im 15. Jahrhundert tritt die Familie „Wysmüller“ in Verbindung mit der Wiesenmühle zu Tage, die damals auch städtische Ämter innehatte.

Trennlinie

Ursprüngliche Form der Mühle 1803 durch Brand zerstört

Im Jahre 1803 brannte die Wiesenmühle ab und wurde in der heutigen Form wieder aufgebaut. Nach dem Lohschlagen erhitzten sich Fettreste und fingen zu brennen an. Missstände in der Fuldaer Stadtverwaltung und im Spritzhaus führten dazu, das die Mühle nicht gelöscht werden konnte: der Schlüssel vom Spritzhaus war verloren, nur 50 von 500 Wassereimern waren intakt, die Türmerwohnung war an einen gewissen „Maurer aus der Schleifergasse“ vermietet, so das der Brand nicht rechtzeitig gemeldet werden konnte.

Diese unglaubliche Schlamperei hatte ein gerichtliches Nachspiel und endete mit der Bestrafung und Verwarnung der Beteiligten. Nach dem Brand wurde das gesamte Fuldaer Feuerlöschwesen neu geordnet.

Trennlinie

Ab 1929 Turbinenanlage

Eine Turbinenanlage ersetzte ab 1929 dann die Mühlenräder. Diese produzierte Strom für die Elektromotoren, die dann die Mahlwerke betrieben. Der Brunnen, der heute am Hauseingang zu finden ist, besteht aus Teilen der alten Turbine.

Trennlinie

Die letzte Müllerin

Daman Mans wurde nach einigen Besitzerwechseln im Jahre 1921 Eigentümer der Wiesenmühle und überlies 1953 schließlich den Besitz seiner Tochter, der Müllermeisterin Maria Mans, die als Letzte das Mühlenhandwerk in der Mühle ausübte.

Trennlinie

Der Weg zu den heutigen Besitzern

Im Jahre 1980 kaufte die Stadt das große Wiesenmühlenareal für eine halbe Millionen Mark auf. Da man sich entschlossen hatte, das Gebäude zu erhalten und nicht abzureisen, wurde ab Ende 1985 eine Notsicherung für 18000 Mark durchgeführt und private Kaufinteressenten gesucht. Wegen des schlechten Zustands wurde der Preis auf 110000 Mark herabgesetzt.

Der Architekt Wilfried Renner, der 1988 das heutige Konzept für die Wiesenmühle als Gasthausbrauerei mit Hotelbetrieb, Restaurant, Tagungsräumen und Biergarten entwickelte, bekam schließlich mit seinem Partner Willi Heurich 1988 den Zuschlag, die Wiesenmühle im alten Stil zu restaurieren. Der damalige Bürgermeister Dr. Hamberger sprach von 33 Kaufinteressenten.

Trennlinie

Eröffnung der Gasthausbrauerei mit Hotelbetrieb und Tagungsräumen

1990 wurde die Wiesenmühle als Gasthausbrauerei mit Hotelbetrieb und Tagungsräumen neu eröffnet und ist seitdem ein fester Bestandteil des Fuldaer Lebens.

Trennlinie

Das heutige Mühlrad

Das Zuppinger Wasserrad mit einem Durchmesser von 6,90 Meter, welches seit 1990 in der Wiesenmühle klappert, versorgt die Mühle über einen Generator mit Strom. Es ist 6,50 Meter breit, wiegt 55 Tonnen und hat 44 Schaufeln.

Trennlinie